Schwerbehindertenausgleich im Baugewerbe

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Schwerbehindertenausgleich im Baugewerbe

Mithilfe des Schwerbehindertengesetzes (SchwbG) soll gesichert werden, Schwerbehinderte (mit mindestens 50 % Minderung) mit in das Berufsleben zu integrieren. Private und öffentliche Arbeitgeber und somit auch Bauunternehmen, die mindestens 20 Arbeitnehmer beschäftigen, sind verpflichtet, mindestens 5,0 % der Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Wird das durch das Unternehmen nicht erreicht, was in der Bauindustrie äußerst schwierig sein dürfte, ist durch das Unternehmen eine Ausgleichsabgabe (= Schwerbehindertenabgabe) für jeden nicht besetzten Arbeitsplatz zu leisten.
Die Abgabe wurde nach § 77 Abs. 3 SGB IX zum 1. Januar 2016 erhöht und beträgt gestaffelt:
  • 125 € (vorher 115 €) bei einer Beschäftigungsquote von 3 bis weniger 5 %
  • 220 € (vorher 200 €) analog bei 2 bis weniger 3 %
  • 320 € (vorher 290 €) bei einer Beschäftigungsquote von weniger als 2 %
Für Unternehmen bis zu 60 Beschäftigten bestehen Sonderregelungen, beispielsweise bezahlen Unternehmen mit jahresdurchschnittlich weniger als 40 Arbeitsplätze 125 €, wenn sie den Pflichtplatz nicht besetzen.
Die Abgabe ist an das Integrationsamt zu überweisen, in dessen Zuständigkeit sich der Hauptsitz des Unternehmens befindet. Erfolgt die Abgabe nicht zum festgelegten Termin, dann kann das Integrationsamt Säumniszuschläge in Höhe von 1 % für jeden angefangenen Monat nach der Fälligkeit verlangen.
Die Ausgleichsabgabe gehört mit zu den Lohnzusatzkosten – im Speziellen zu den lohngebundenen Kosten – und wird in der Angebotskalkulation im Zuschlagsatz für lohngebundene Kosten in den Formblättern Preise (EFB-Preis) 221 und 222 nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) – in der Zeile 1.2 – berücksichtigt.
In den Musterrechnungen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e. V. zur Berechnung der Zuschlagsätze für die Lohnzusatzkosten sowie Gehaltszusatzkosten wird der Schwerbehindertenausgleich unter der Position 2.2.1.8 ausgewiesen. Die Ansetzungen werden unterschiedlich hoch für die Berechnung des Zuschlagssatzes für die Lohnzusatzkosten und für die Gehaltszusatzkosten vorgesehen. Weiterhin wirken sich die unterschiedlich hohen Jahreslöhne und -gehälter zwischen West- und Ostdeutschland auch auf die Höhe der Ausgleichsabgabe und ihrer Ansetzung in der Berechnung in der Kalkulation aus wie sie für 2018 noch in den Musterrechnungen berücksichtigt werden.
Grundlage für die Bestimmung der Ausgleichsabgabe für die kalkulatorische Berücksichtigung ist zunächst der Ansatz eines mittleren Stundenlohns, in der Musterrechnung ab März 2018 in Höhe von 19,51 € für Westdeutschland und von 18,15 € für Ostdeutschland. Weitere Grundlage ist die tariflich festgelegte Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche und daraus abgeleitet von 8 Stunden pro Arbeitstag. Demgegenüber sind betriebsindividuell die tatsächlichen Arbeitstage im Jahr heranzuziehen, beispielhaft 188 Arbeitstage im Jahr.
Nunmehr lässt sich der Jahreslohn bestimmen für 2018 in Westdeutschland in Höhe von 29.655,20 € sowie von 27.733,20 € in Ostdeutschland.
In der Musterrechnung wurde eine Ausgleichsabgabe von 125 € im Jahr 2018 angenommen. Das entspricht einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigungsquote von 3 % bis weniger als 5 %.
Daraus kann der prozentuale Anteil in der Berechnung des Zuschlagssatzes für die Lohnzusatzkosten im Berechnungsschema unter der Position 2.2.1.8 bestimmt werden. In den Musterrechnungen erfolgen ab März 2018 folgende Ansetzungen für die gewerblichen Arbeitnehmer :
  • 0,25 % in Westdeutschland und
  • 0,27 % in Ostdeutschland.
Diese Ansätze können jedoch nur als Anhaltspunkte gelten. Betriebsindividuell werden sich durchaus davon abweichende Prozentsätze ergeben.
Bei der Berechnung eines Zuschlagsatzes für Gehaltszusatzkosten lassen sich die Ansätze des Schwerbehindertenausgleichs nach folgenden Grundlagen bestimmen:
  • Pflichtsatz für Schwerbehindertenansetzung ebenfalls 5 %,
  • Ausgleichsabgabe nach Erfüllungssatz zwischen 125 € und 320 €, in der Annahme eines Wertes von 125 €,
  • Jahresdurchschnittliche Beschäftigung von 3 % bis weniger als 5 %,
  • unterschiedlich hohe Jahresgehälter in Unternehmen in West- und Ostdeutschland,
  • betriebsindividuell unterschiedlich hoher Ansatz des Jahresgehalts, differenziert ggf. nach: Angestellten und Poliere, beispielsweise als Berechnung in den Musterberechnungen ab März 2018 mit folgenden Aussagen:
    • 0,14 % für Angestellte und Poliere in Westdeutschland sowie
    • 0,15 % für Angestellte und 0,16 % für Poliere in Ostdeutschland.
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Baunachrichten zu Schwerbehindertenausgleich im Baugewerbe

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Begriffs-Erläuterungen zu Schwerbehindertenausgleich im Baugewerbe

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