Entgelttarifverträge (Baugewerbe)

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Entgelttarifverträge (Baugewerbe)

Entgelttarifverträge sind Bestandteil der Bautarifverträge. Sie regeln die Höhe der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen für die Beschäftigten im Baugewerbe, einerseits für das Bauhauptgewerbe insgesamt sowie differenziert für verschiedene Gewerke wie für das Dachdeckerhandwerk, Maler- und Lackiererhandwerk, Gerüstbau, im Galabau u. a. Die Entgelttarifverträge sind - mit Ausnahme des Tarifvertrages zur Regelung der Mindestlöhne im Baugewerbe und in verschiedenen Ausbaugewerken - nicht allgemein verbindlich. Heranzuziehen sind sie von jenen Bauunternehmen, die tarifgebunden sind. Das gilt für die Mitgliedsunternehmen der Tarifvertragsparteien von Unternehmerseite.
Die Löhne und Gehälter wurden im Bauhauptgewerbe zum 1. Mai 2018 im Tarifgebiet West sowie auch Berlin um 5,7 % sowie im Tarifgebiet Ost um 6,6 % gegenüber dem vorherigen Niveau erhöht. Eine weitere Erhöhung von 0,8 % wird ab 1. Juni 2019 im Tarifgebiet Ost wirksam. Die Laufzeit der erhöhten Entgelttarife wurde bis zum 30. April 2020 vereinbart. Die Erhöhung nach der Tarifrunde 2018 ist die höchste im Baugewerbe seit über 20 Jahren. Sie bezieht sich bei den gewerblichen Arbeitnehmern auf den Tarifstundenlohn (TL) und ableitend daraus auf den Gesamttarifstundenlohn (GTL) als zu zahlenden Brutto-Stundenlohn. Weiterhin unverändert bleibt der Bauzuschlag (BZ) in Höhe von 5,9 % als Zuschlag auf den Tarifstundenlohn.
Da die Ecklöhne im Baugewerbe unterschiedlich hoch nach den Tarifgebieten Deutschland-West, Berlin sowie Ost in den Tarifverträgen - Lohn jeweils vom 1. Juni 2018 festgelegt werden, ist zwangsläufig auch das Tarif- und Brutto-Lohnniveau unterschiedlich hoch. Im Tarifgebiet Ost stellt sich ab Mai 2018 ein Lohnniveau beispielsweise in der Lohngruppe 4 (Spezialfacharbeiter) beim Gesamttarifstundenlohn von ca. 93,8 % sowie ab Juni 2019 von ca. 94,5 % gegenüber dem Niveau im Tarifgebiet West ein. Im Ergebnis der früheren Tarifrunde im Jahr 2013 hatten die Tarifvertragsparteien des Baugewerbes Einigkeit darüber erzielt und vereinbart, dass das gemeinsame Ziel eines bundeseinheitlichen Tarifniveaus im Kalenderjahr 2022 erreicht werden soll.
Die sofort ab 1. Mai 2018 einsetzenden Erhöhungen einstufig ohne weitere Zwischenstufen über einen längeren Zeitraum können in den Betrieben der Bauindustrie und des Bauhandwerks evtl. zu Schwierigkeiten der Liquidität führen, weil in den Angeboten von laufenden und noch zu beginnenden Bauaufträgen nicht mit diesen Lohn- und Gehaltserhöhungen für die Angebote kalkuliert wurde. Darüber haben sich die Tarifparteien verständigt, einen "Mustertarifvertrag" zur Liquiditätssicherung als "vorverhandeltes Modell" vorzusehen, der für Haustarifverträge oder Verbandstarifverträge von den Baubetrieben genutzt werden kann. Danach besteht die Möglichkeit,
  • den gewerblichen Arbeitnehmern und Angestellten in den Tarifgebieten West und Berlin von Mai bis Dezember 2018 nur eine Tariferhöhung von 4,0 % sowie im Tarifgebiet Ost von 4,9 % zu zahlen, jedoch mit der Maßgabe,
  • den betreffenden Arbeitnehmern Festbeträge pro Monat von 70 € für gewerbliche Arbeitnehmer und 90 € für Angestellte in der Summe mit der Entgeltabrechnung März 2019 nachzuzahlen, wenn sie am 31. März 2019 Mitglied der IG BAU sind.
Von der IB BAU wurde zugesagt, einen Abschluss von entsprechenden Tarifverträgen für Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten (Personen) ohne individuelle Verhandlungen zuzustimmen, wenn dies der IG BAU bis 30. Juni 2018 mitgeteilt wird. Für den Nachweis der Betriebsgröße kann die Bestätigung der SOKA-Bau herangezogen werden. Für größere Bauunternehmen ist auch nach diesem Termin noch ein Tarifabschluss möglich, wofür sich aber die IG BAU ggf. dann noch Verhandlungen zur individuellen Anpassung zum Mustervertrag vorbehält.
Im Rahmen der TV-Löhne gelten für die Entlohnung der gewerblichen Arbeitnehmer noch spezielle Weiterhin gelten noch regionale Entgeltverträge, z. B. in Bayern.
Zum 1. Mai 2018 werden auch die Ausbildungsvergütungen im Baugewerbe sowohl für die gewerblich als auch für die technisch und kaufmännisch Auszubildenden für das 1., 2. und 3. Ausbildungsjahr in den Tarifgebieten West um jeweils 65 € , im Tarifgebiet Ost um jeweils 60 € und in Berlin um jeweils 62 € erhöht. Die Ausbildungsvergütungen haben damit weiter ein hohes Niveau und sollen die Nachwuchsgewinnung unterstützen. Ab 1. Mai 2018 werden auch die Fahrt- und Unterbringungskosten zum Berufsschulunterricht pauschal mit 60 € pro Monat zusätzlich erhöhte Ausbildungsvergütungen für Auszubildende, die eine Landes- oder Bundesfachklasse besuchen, vergütet.

Baunachrichten zu Entgelttarifverträge (Baugewerbe)

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Begriffs-Erläuterungen zu Entgelttarifverträge (Baugewerbe)

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